Wer sich mit dem Thema Notfall-Heizung, Heizen ohne Strom oder klassische Heizung beschäftigt, stößt früher oder später auf den sogenannten Teelichtofen.

Das Prinzip ist denkbar einfach. 2 umgedrehte Tontöpfe sollen die Wärme von Teelichtern auffangen und an den Raum abgegen. Wie gut das wirklich funtkioniert, erkläre ich weiter unten im Artikel. Jetzt geht es erstmal an die super einfache Bauanleitung für deinen Teelichtofen.

Wie baue ich einen Teelichtofen?

Hier gibt es im Prinzip zwei Bauweisen:

  1. Die klassische Bauweise besteht aus 2 Tontöpfen, einer Gewindestange (+Unterlegscheiben, Muttern, Mutterkopf) sowie einem umgedrehten Untertopf, auf dem die Kerzen stehen. Dazu wird ein Loch in den Untertopf gebohrt , damit der Untertopf und die beiden Töpfe über die Gewindestange verbunden werden können. Die Teelichter stehen auf dem Untertopf und geben die Wärme an die Töpfe weiter.
  2. Eine vereinfachte Variante des Teelichtofens ist es, eine passende Glasform zu nehmen (Ton oder Metall geht auch) und darauf die beiden Tontöpfe umgedreht draufzustellen. Durch die unterschiedliche Höhe der Töpfe haben diese ist automatisch den nötigen Abstand zueinander, denn sie sollten sich nicht berühren. Außerdem passen auf diese Weiese meist deutlich mehr Teelichter unter die Tontöpfe. Wir haben also weniger Aufwand und mehr Heizleistung. 🙂

    Bei beiden Varianten ist zu beachten, dass der innere Topf abgedeckt sein muss, der äußere Topf aber oben eine Öffnung braucht, ähnlich wie bei einem ein Schornstein. Bei Variante 2 lasst ihr einfach das Loch des großen Topfes offen, bei Variante 1 werden ein paar Löcher in den Topfboden gebohrt. Warum das so wichtig ist und wie dadurch mehr Wärme (statt weniger) entsteht, erfährst du in diesem Video.

    Ich habe die zweite Variante gewählt und folgende Materialien verwendet:
    – eine Glas-Kuchenform (Länge: 29cm, Breite: 11,5cm)*
    kleiner Tontopf* z.B. 16cm (muss größer sein als die Breite der Glasform)
    großer Tontopf* 22cm (muss breiter und höher sein als der kleine Topf. Muss kleiner sein als die Länge der Glasform)
    – irgendwas, um den kleinen Topf abzudichten, damit die Wärme nicht direkt entweicht. Ich habe einen M10-Mutterkopf (Durchmesser 10mm) verwendet.
    Teelichter* und Feuerzeug

    Wie das genau funktioniert erfährst du in der folgenden „Bauanleitung“:

Bauanleitung: Teelichtofen selber bauen ohne Bohren

teelichtofen selber bauen ohne bohren

Eine einfache Anleitung, um einen Teelichtofen selber zu bauen – ganz ohne Bohren
Achte darauf, dass die Glasform LÄNGER ist als der große Topf und WENIGER BREIT ist als der kleine Topf.

Dauer: 10 Minuten

Glasform mit Teelichtern befüllen

Glasform mit so vielen Teelichtern befüllen, dass diese nicht über den Rand der Tontöpfe hinausragen. Um einem Wachsbrand vorzubeugen sollten die Kerzen einen Abstand von 5 cm zueinander haben. Also NICHT so wie im Bild, Erklärung siehe unten. Hier also am besten 4-5 Kerzen.

Kleinen Topf abdichten

Damit die Wärme aus dem kleinen Topf nicht entweichen kann, wird er abgedichtet. In diesem Fall hatte der Topf nur ein sehr kleines Loch, das mit einem M10-Mutterkopf abgedichtet wurde.

Tontöpfe übereinander auf die Glasform stellen

Zum Schluss werden die Tontöpfe auf die Glasform und über die Teelichter gestellt. Teelichter anmachen nicht vergessen. 🙂

Estimated Cost: 10 EUR

Supply:

  • Glas-Kuchenform: Länge 29cm, Breite 11,5cm
  • Kleiner Tontopf: Außendurchmesser 16cm
  • Großer Tontopf: Außendurchmesser 22cm
  • 1 Mutterkopf (um den kleinen Topf abzudichten)
  • Teelichter
  • Feuerzeug

Tools:

  • keine

Wie gut heizt ein Teelichtofen?

Im Prinzip ist so ein Blumentopf-Ofen eine Miniatur-Version eines Kachelofens. Ein Kachelofen ist ein Holzofen, der in die Hauswand eingemauert wird. Die umgebenden Materialien (Putz, Lehm, Stein usw.) nehmen die Wärme des Ofens auf und geben diese über eine relativ lange Zeit an die Räume ab.

Ein Teelichtofen speichert ebenfalls die Wärmeenergie der Teelichter und sorgt für eine angenehme Umgebungswärme. Aber wie viel bringt das wirklich?

Ein Teelicht hat etwa eine Leistung von 30-40 Watt. Unter einen Teelichtofen passen meist 4-5 Kerzen. Also ergibt sich eine Wärmeleistung von 120 bis 200 Watt. Das ist nicht schlecht, aber für eine Heizung nicht besonders viel. Diese Petroleum-Notfallheizung hat beispielsweise eine Leistung von 3000 Watt* und kann damit einen 48m2 Raum problemlos heizen.

Immerhin schafft es auch ein kleiner Teelichtofen die direkte Umgebung auf Zimmertemperatur von 23°C aufzuheizen:


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Einen ganzen Raum zu heizen geht also eher nicht, aber es schafft eine angenehme Umgebungswärme und das kann die Raumtemperatur recht gut halten. Sollte es wirklich einmal zu einem Blackout kommen, hat ein Teelichtofen fast den Charakter eines kleinen Lagerfeuers. Man kann gemütlich im Kreis um dem Ofen sitzen und sich die Hände aufwärmen oder eine Tassse Tee.

Vorsicht vor Verbrennungen und Wachsbrand

Der Teelichtofen hat zwei Gefahrenquellen: Verbrennungsgefahr und der Wachsbrand.

Vielleicht hast du dich gefragt, warum der Ofen zwei Töpfe benötigt? Zum einen wird dadurch mehr Wärme gespeichert. Zum anderen dient das dem Verbrennungsschutz. Während sich der innere Topf auf bis zu 110°C aufheizen kann, wird der äußere Topf maximal 50 bis 60°C heiß.

Die zweite Gefahr ist der Wachsbrand. Um das zu verhindern, stelle nie zu viele Teelichter in so einen Ofen. Mindestens 5 cm Abstand zwischen den einzelnen Kerzen. Also nicht so wie ich im Bild… man lernt nie aus. 😉

Beim Brennen der Kerzen ensteht nicht nur Wärme sondern es verdampft auch der Wachs. Je mehr Kerzen dicht beieinander stehen, desto mehr Wachsdampf kann sich unter Umständen entzünden. Berichten zufolge ist das schon bei Teelichtöfen mit 6 Kerzen passiert, also würde ich bei meiner Konstruktion maximal 4-5 Kerzen empfehlen.

Sollte es doch mal zu einem Wachsbrand kommen, sollte die Flamme erstickt werden und NICHT mit Wasser gelöscht werden.

Angeblich gibt es Aussagen der Feuerwehr, dass solche lebensgefährlichen Wachsbrände nur dann entstehen, wenn übliche Parrafinkerzen aus Erdöl verwendet werden. Das bestrifft fast alle Teelichter, wenn nichts anderes auf der Verpackung steht. Alternativen sind Teelichter aus 100% pflanzlichem Stearin*, die nur etwas höher im Preis liegen. Im Gegensatz zu Parrafin, das aus Erdöl gewonnen wird, besteht Stearin hauptsächlich aus pflanzlichem oder tierischem Fett. Es hat einen angenehmeren Geruch und ist besser für die Gesundheit. Reines Bienenwachs, Soja oder Rapsölwachs würde auch gehen, aber die sind noch viel teurer, das lohnt sich nicht wirklich.

Allerdings sollten auch alternative Teelichter im gleichen Abstand von 5 cm zueinander aufgestellt werden. Hier geht es eher um einen zusätzlichen Gefahrenschutz und um Gesundheit durch weniger schädliche Dämpfe.

Teelichtofen = eine echte Notfallheizung?

Eine echte Notfallheizung ist der Teelichtofen also nicht. Er schafft ohne Zweifel eine gemütliche Atmosphäre und in direkter Umgebung sogar eine angenehme Zimmertemperatur von 23°C.

Für größere Räume und um mehrere Tage ohne klassische Heizung zu überbrücken eignet sich ein Kachelofen, Holzofen oder eine Gas- oder Petroleumheizung. Gerade Gas- und Petroleumheizungen sowie Mini-Holzöfen gibt es als mobile Notfallheizungen, die sich gut im Keller oder Dachboden verstauen lassen und im Notfall oder z.B. beim Camping verwendet werden können.

Quellen:

  • https://www.youtube.com/watch?v=_h5pMbYm0Zg
  • https://www.ostsee-zeitung.de/Mehr/Mads-Medien-an-der-Schule/Wachsbrand-Wenn-Kerzen-ploetzlich-abfackeln

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