autarkes haus

Autarkes Haus- 5 beliebte Modelle, aktuelle Technologien und rechtliche Bedingungen in Deutschland (2020)

Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben eine Reihe an vorwärtsdenkenden Architekten, Ingnieuren und Regierungen Solar-Energie und andere nachhaltige Energien implementiert, um den Energiebedarf von alten und neuen Gebäuden zu decken. Dazu zählt auch der Eiffelturm, das Burj Kalifah und das Weiße Haus in Washington.

Welche Möglichkeiten gibt es aber in Deutschland für Privathaushalten ein komplett autarkes Haus zu bauen oder ein bestehendes Haus autark zu gestalten?

In diesem Artikel zeige ich dir die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, die aktuellen Technologien zur Strom-, Wärme- und Wasserversorgung zur Eigenversorgung, 5 autarke Häuser und wie du ein altes Haus autark gestalten kannst.

Autarkes Haus bedeutet mehr als Energieautarkie

Häufig wird ein autarkes Haus mit Energieautarkie gleichgesetzt. Ein wirklich autarkes Haus versorgt sich aber nicht nur selbst mit Energie (Strom, Heizung, Warmwasser) sondern regelt auch die Wasserversorgung und -entsorgung.

Darüber hinaus gibt es Wohnmodelle, die mobil sind, also ihren Standort wechseln können. Andere wiederum schließen eine weitestgehende Selbstversorgung mit Lebensmitteln mit ein. Außerdem setzen immer mehr Konzepte auf ein intelligentes Energiemanagement mit entsprechender Software, um den Stromverbrauch auf ein nötiges Minimum zu reduzieren.

Vollständig autarkes Haus – die gesetzliche Lage in Deutschland

Derzeit erschwert die rechtliche Lage in Deutschland das Leben in vollständig autarken Häusern und macht es in vielen Fällen zu einer Grauzone. Dabei spielt die Bauverordnung und die benötigte Anschrit eine Rolle.

Die Bauverordnung schreibt vor, dass nur dort gebaut werden darf wo auch eine Kanalisation besteht. Außerdem ist die Nutzung von Regenwasser als Trinkwasser in Deutschland grundsätzlich verboten.

In der Praxis sind daher fast alle Häuser in Deutschland an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen.

Ein weiterer Punkt ist die Anschrift. Wer in Deutschland gemeldet sein möchte, braucht eine Anschrift, also eine Adresse unter der der Staat dich erreichen kann. 

Mobile autarke Häusern wie ein Tiny House oder autarker Bauwagen gelten nicht als ladungsfähige Anschrift. Und auch Campingplätze sind als Anschrift keine Lösung, weil die Bauverordnung diese als Erholungsort einordnet und damit als fester Wohnsitz nicht erlaubt sind.

Zum Glück gibt es aber auch immer mehr Ausnahmen. So stellen Campingplätze, Bauern und Gemeinden Flächen zur Verfügung auf denen mobile Häuser aufgestellt werden dürfen, die dann auch als gültige Anschrift verwendet werden darf. Allerdings ist der Grundstein hierfür häufig die Duldung der Gemeinde. Es gibt also keine Rechtssicherheit, sondern nur eine Sonderregelung, die grundsätzlich jederzeit wieder zurückgezogen werden kann.

Ein Beispiel ist das Wagendorf Karow am Rande von Berlin. Dort leben knapp über 100 Menschen auf 4,9 Hektar. Jedes “Grundstück” hat die Möglichkeit sich an das Strom- und Wassernetz anzuschließen. Aber kann das anscheinend auch komplett autark regeln.

Überblick autarke Technologien und Möglichkeiten – Stand Mai 2020

Hier ein aktueller Stand über die möglichen Technologien für ein autarkes Haus im Bereich Strom, Heizen und Wasser.

Autarke Stromversorgung

  • Die meisten autarken Häuser setzen auf eine Photovoltaik-Anlage zur Stromversorgung. Auch ein Blockheizkraftwerk (mit Holzpellets) oder ein Windrad / Windturbine auf dem Dach sind beliebte Möglichkeiten. Häufig werden diese Technologien auch in Kombination verwendet, um eine Stromversorgung in allen Witterungslagen sicherzustellen. 
  • Beide Systeme speichern ihren Überfluss dann in ein spezielles Puffer-Speicher-System (vergleichbar mit einer Batterie) ein. Diese Technik ist leider noch recht teuer und nicht besonders leistungsfähig.
  • Grundsätzlich wäre auch eine Einspeisung in das öffentliche Stromnetz denkbar, wobei unter energieautark verstanden wird, dass kein Anschluss zum öffentlichen Stromnetz vorliegt, auch Inselanlage genannt.

Autark Heizen (Heizung, Warmwasser)

  • Heizung und Warmwasser kann auf direktem Wege über spezielle Solarmodule erzeugt werden, die die Wärme der Sonne speichern und abgeben (Solarthermie) oder über den klassischen Holzofen oder Kachelofen.
  • Auf indirektem Weg kann die Wärme auch über die gespeicherten Elektrizität aus der Photovoltaik-Anlage oder dem Brennkraftwerk erzeugt werden.

Autarke Wasserversorgung

  • Eine Wasserversorgung über das aufgefangene Regenwasser ist für einen einzelnen Haushalt ausreichend, vorausgesetzt entsprechender Speicherungen
  • Regenwasser darf rechtlich gesehen für die Gartenbewässerung, Toilette und Waschmaschine verwendet werden. Die Verwendung als Trinkwasser ist allerdings nicht erlaubt. Es müssen getrennte Wasserkreisläufe installiert und nachgewiesen werden.
  • Für das abfließende Regenwasser fällt außerdem Abwassergebühr an – egal ob es in die Kanalisation zurückfließt oder im Boden versickert.

Abwasser

  • Wie oben schon erwähnt ist eine Anbindung an das öffentliche Wasser- und Kanalisationsnetz kaum zu vermeiden.
  • Außnahme sind mobile Häuser (Tiny House & Co) und Grundstücke, bei denen keine Kanalisation, aber eine Baugenehmigung vorliegt. Letzteres ist in Deutschland aber nur in seltenen Ausnahmen der Fall.
  • Bei den genannten genehmigten Grundstücken ohne Kanalisation sind Sickergruben eine genehmigte Form der Abwasserentsorgung
  • Alternativ kann das Abwasser oder auch Regenwasser mit einer kleinen Wasseraufbereitungsanlagen gesäubert und erneut verwendet werden. Das ist technisch möglich und bezahlbar, aber aufwendig.
  • Statt einer gewöhnlichen Toilette kann eine Komposttoilette eingebaut werden, die keinen Anschluss an die Kanalisation benötigt.

Vor-und Nachteile von autarken Häusern

Ein autarkes Haus bietet verschiedene Vor- und Nachteile die wir uns nachfolgend ansehen.

Vorteile

  • Unabhängigkeit
    Der wohl größte Vorteil ist die Unabhängigkeit von öffentlichen Netzen und der Preispolitik der öffentlichen Anbieter und letztlich des Staates, der bei der Grundversorgung mit Wasser und Energie auch eine ganze Menge an Steuern bezieht.
  • Kostenreduktion
    Ist das autarke Haus einmal gebaut und eingerichtet sind die laufenden Kosten extrem gering. Keine Strom- und Wasserrechnungen mehr! Lediglich die Anschaffungs- und Instandhaltungskosten spielen eine Rolle. Bei einem Holzofen muss außerdem dass Brennholz gekauft oder selbst hergestellt werden.
  • Nachhaltigkeit
    Das Leben in einem autarken Haus führt meistens auch zu einem radikalen Wandel des Lebensstils. Wer nur verbraucht, was er selbst erzeugen kann, geht viel bewusster und weniger verschwenderisch mit den Ressourcen um. Außerdem sind autarke Energiequellen, abgesehen von einem Notstromaggregator, erneuerbar und geben nur so viel CO² frei wie sie zuvor gespeichert haben.

Nachteile

  • Ausfallsicherheit
    Bei einer völlig fehlenden Anbindung an das öffentliche Versorgungssystem ist man vollständig von den eigenen autarken Systemen abhängig. Wenn die nicht wie geplant laufen, kann es zu Stromausfall und fehlender Heizwärme und Warmwasser kommen. Speichersysteme sind zwar technisch möglich aber leider in der Regel noch enorm teuer.
  • relativ hohe Anschaffungskosten für die autarke Strom und Wasserversorgung
    EIn großer Nachteil eines autarken Hauses sind die hohen Anschaffungskosten für die autarke Energie- und Wasserversorgung. Eine sogennante Solar-Inselanlage ohne Anbindung an das öffentliche Stromnetz kostet für kleine Haushalte bereits 1000 bis 2000 Euro. Erst nach etwa 5 bis 10 Jahren ist man damit günstiger als mit konventionellem Strom.

5 autarke Häuser im Profil – so geht autarkes Leben heute und in der Zukunft

Earthship

Ein Earthship ist das derzeit wohl konsequenteste Modell eines autarken Hauses, das auch eine weitestgehende Selbstversorgung mit Lebensmitteln einschließt. Übersetzt bedeudet es “Erdschiff” und spielt darauf an, dass ein Haus genauso autark wie ein Schiff und fernab der Zivilisation funktionieren kann.

Das Grundgerüst eines Earthship wird aus Abfällen wie Autoreifen, alten Glasflaschen und Lehm gebaut. Es verfügt in der Regel über mehrere Gewächshäuser, die in jeder Klimazone eine weitestgehende Selbstversorgung ermöglichen sollen.

Der Energiebedarf wird über eine Solar-Anlage oder kleine Windräder gedeckt und die Wasserversorgung über aufgefangenes und aufbereitetes Regenwasser oder geschmolzener Schnee. Je nach Ausstattung enthält es auch eine eigene Kläranlage, bei der die Exkremente kompostiert und für das Gewächshaus verwendet werden. Charakteristisch sind vor allem die schrägen Fensterfronten, um die Beete mit ausreichend Sonne zu versorgen.

Trotz der technischen Ausstattung ist ein Earthship recht günstig zu bauen, je nach Größe zwischen 7 bis 70.000 Euro.

Weltweit werden auch Workshops angeboten und ganze Earthship-Dörfer erbaut, sogar in Deutschland gibt es schon Earthships. Diese Häuser sehen etwas ungewöhnlich aus, aber haben gerade durch die natürlichen Formen einen ganz eigenen Charme.

In Deutschland lässt sich das Konzept durch den vorgeschriebenen Wassernetzanschluss nicht 1:1 umsetzen. Alle anderen Prinzipien lassen sich aber ohne Probleme realisieren.

Autarker Wohnwagen/Bauwagen

Eine beliebte und eines der günstigsten Varianten ist ein autarker Bauwagen. Auch ein klassischer Wohnwagen kann weitestgehend auf autark umgestellt werden. Ingesamt bewegen sich autarke Bauwägen ab 20.000 Euro aufwärts.

Die Stromversorgung erfolgt meistens über eine Solaranlage. Heizung und Wasserversorgung wird aber meistens über Öl- und Wassertanks realisiert. Statt ein klassischer Toilette kann eine Komposttoilette eingebaut werden.

Das besondere an (fast) autarken Wohnwägen ist die Mobiltät. Abgesehen von den gesetzlichen Einschränkungen in Deutschland kannst du dir also aussuchen, wo dein Heim stehen soll und es auch nach Belieben wechseln.

Tiny House

Tiny Häuser haben in den letzten Jahren ein regelrechten Boom erlebt. Der Trend kommt aus den USA ist eine Art Weiterentwicklung eines autarken Bauwagens. 

Wie der Name schon sagt: Ein Tiny House kommt einem Haus schon deutlich näher als ein Bauwagen. Die Wände sind gedämmt und damit relativ energieeffizient und die meisten Tiny Häuser haben eine zweite, wenn auch sehr niedrige, Etage, die meistens als Schlafbereich oder Stauraum genutzt wird. 

Außerdem werden bei einem Tiny House die Anhängermaße für einen gewöhnlichen PKW ausgereizt. Es passt durch jeden (deutschen) Tunnel und wiegt nicht mehr als 3,5 Tonnen. Dadurch können sie eine Wohnfläche von etwa 25 m² bieten. Hört sich sehr wenig an, der Youtube Kanal “Living Big in a Tiny House” zeigt dir verschiedene Familien, die in Tiny Häusern leben und wie erstaunlich wohnlich und gemütlich das sein kann. Hinweis: in Amerika gelten leicht andere Anhängermaße als in Deutschland.

Ansonsten ist die Ausstattung ähnlich wie beim Bauwagen. Strom und gegebenfalls Wärme werden über eine Solaranlage erzeugt. Wasser kommt in der Regel über einen Wassertank. Eine Komposttoilette zählt zur Standardaustattung.

Tiny Häuser werden mittlerweile in einigen deutschen Städten als Alternative zur Mietwohnung genutzt und es wurden bereits ersten Tiny-House-Dörfer in Deutschland gegründet. Je nach Ausstattung ab 30 bis 40.000 Euro erhältlich.

Arche

Eine Arche? Wie die Arche Noah? Tatsächlich spielt der Begriff ähnlich wie das Earthsip auf den autarken Gedanken eines Schiffes an. 

Der Name wurde unter Anderem von dem Autor Mario Michael Rampitsch geprägt, der das Buch “Eine Arche bauen – ein mobiles und autarkes Haus im Eigenbau” geschrieben hat. 

Eine Arche kann ein großes Zelt sein oder auch ähnlich wie ein Tiny House gebaut werden. In jedem Fall ist es relativ simpel und es gibt keine festen Regeln. Anhand von einfachen Bauplänen soll die die Arche im Eigenbau unter 12.000 Euro erbaut werden können. Hinzu kommen aber noch die autarken Technologien für Strom, Wärme und Wasser.

Außerdem soll das Ganze mobil sein. Das Zelt lässt sich auf und abbauen und die Arche-Hütte kann ähnlich wie das Tiny House mit Rädern versehen und unter Beachtung der Transportbedingungen als Autoanhänger transportiert werden.

Die Arche ist insgesamt etwas einfacher und naturnaher gehalten als die anderen autarken Häuser. Denn man baut nur, was man wirklich benötigt. Wer es aber wirklich ernst meint mit dem autarken Haus sollte sich fachmännisch beraten und unterstützen lassen. Ich kenne auch Fälle, bei denen bei Bau des Tiny Houses unterstüzt und dadurch der Kaufpreis reduziert werden konnte. Wenn Geld also dein Engpass ist, gibt es hier viele Möglichkeiten.

Minihaus – modulares Wohnen

Ähnlich wie das Tiny House und der Bauwagen ist das Minihaus eine mobiles Heim, das auf LKWs transportiert werden kann. Dadurch sind die Maße etwas großzügiger als beim Tiny House und liegen zwischen 20 und 50 m². Optisch erinnert es an Container und manche Anbieter bauen tatsächlich alte Container um und bieten sie als Minihaus an.

Außerdem gibt es viele Anbieter, bei denen man einzelne Minihaus-Module mieten, kaufen und auch wieder verkaufen und zu einem größeren Eigenheim kombinieren kann. Das ist nicht nur ein flexibler sondern auch sehr nachhaltiger Ansatz. Denn wenn beispielsweise die Kinder ausziehen, kann man das Heim einfach ein bisschen verkleinern.

Ein Minihaus wird klassischerweise auf einem bestehenden Grundstück mit Strom und Wasseranschluss platziert. Dennoch darf es aus unserer Sicht durch seine Beweglichkeit und flexible Erweiterung in Verkleinerung in dieser Sammlung nicht fehlen. Auch Minihäuser lassen sich mit den gezeigten Technologien ausstatten und autark gestalten.

Preislich liegt ein Minihaus bei 28.000 bis 70.000 pro Modul. Eine Liste mit Anbietern findet ihr hier.

Altes Haus autark machen

Kann man alte Häuser autark machen? Das ist eine sehr wichtige Frage, vor allem in Bezug auf Nachhaltigkeit aber auch auf die Kosten. Denn bei jedem Neubau wird eine menge Energie für die Herstellung, Transport, Einbau und Entsorgung der verwendeten Baumaterialien verbraucht, die erstmal wieder eingespart werden müssen – sogenannte “Graue Energie”.

Ein bestehendes Haus in Deutschland wird vermutlich über einen Wasseranschluss verfügen, aber den können in Deutschland ohnehin nur mobile autarke Häuser umgehen.

Abgesehen davon lassen sich die Technologien für die Energieversorgung und Speicherung (oder Abgabe an das Versorgungsnetz) problemlos implementieren.

Geheizt werden kann mit einem Holzofen. Um diese Wärme aber zentral zu verteilen oder über die Solarenergie zu decken, wäre aber ein Umbau notwendig. Gleiches gilt für das Warmwasser.

Auch für die Verwendung des Regenwassers für Toilette und Waschmaschine, wäre ein Umbau notwendig. Denn hier muss ein komplett separater Wasserkreislauf installiert und nachgewiesen werden. Die Gartenbewässerung über Regenwasser beispielsweise aus der Regentonne ist aber problemlos möglich.

Fazit

Wir hoffen der Artikel konnte dir einen guten Überblick über die derzeitigen Möglichkeiten für eine autarkes Haus in Deutschland oder anderswo geben.

Komplett autark hausen ist in Deutschland nicht unmöglich aber schwierig. Eventuell sind hier Mischformen sinnvoll. Beispielsweise kannst du deinen Energiebedarf komplett selbständig über Solartechnik decken, aber den Überschuss ins Netz einspeisen anstatt ihn zu speichern. So kannst du dir noch etwas dazu verdienen anstatt auf teure und technologisch nicht ganz ausgereifte Speichersysteme zu setzen.
Und auch beim Thema Wasserversorgung ist komplette Autarkie in Deutschland noch eher eine Traumvorstellung. Durch den zweiten Wasserkreislauf mit Regenwasser kannst du dich aber dennoch unabhängiger machen.

In jedem Fall ist das Thema autarkes Haus ein spannendes Feld. Du kannst Kosten sparen und nachhaltiger und naturverbundener leben. Die Dieser Artikel wird laufend um aktuelle Informationen und neue Technologien erweitert und aktuell gehalten.

Weiterführende Literatur und Quellen:

  • https://www.baufritz.com/de/energie-und-sicherheit/energieautarkes-haus/
  • https://www.hausjournal.net/autarkes-haus
  • Bildquelle: pixabay.com / Rejo Telaranta